Gefühle als Therapiekompass

Affekt- & Beziehungsfokussierte Therapien

Die Art, wie ein Mensch gewohnt ist, seine Gefühle auszudrücken, oder sie zu verbergen, ist für eine wirksame Psychotherapie der entscheidende Kompass für eine passende Interventionswahl geworden.

Gefühle laufen immer auf drei Ebenen ab: Trifft ein Reiz über die Sinne ein, werden im Falle von Bedürfnisdysbalancen angeborene Überlebensprogramme aktiv, die über verkörperte Affekte eine schnelle erste Reaktion ermöglichen (Nature). Danach greifen erlernte kognitiv-emotionale Skripte, die bestimmen, wie Affekte gedeutet und weiterverarbeitet werden (Nurture). Daraus entstehen schließlich individuelle Denk‑ und Verhaltensweisen (Abwehren), mit denen eine Person auf sich selbst und andere reagiert (Narrative). All das läuft rasch und überwiegend unbewusst ab. Es gehört daher zur wichtigsten psychotherapeutischen Prozesskompetenz, diese drei Ebenen präzise unterscheiden und von Moment zu Moment passend darauf reagieren zu können.

Wenn die therapeutische Allianz – vor allem die Übertragungsbeziehung – als sicherer Ort für neue affektbasierte Erfahrungen genutzt wird, können im direkten Kontakt hemmende Vermeidungsmuster (Abwehren) Schritt für Schritt gelockert werden. So kann es zu Affektdurchbrüchen kommen, bei denen bisher unbewusste Bedürfniskonflikte und schmerzliche Wahrheiten bewusst verstehbar und bearbeitbar werden.

Eine wichtige Voraussetzung für diese emotional intensive Affekt- und Beziehungsfokussierte Therapie ist es, dass Therapeut:in und Patient:in gleichwertig, transparent und direkt zusammenarbeiten. Auf diese Weise kann ein tiefgreifender Veränderungsprozess, auch auf Ebene der Persönlichkeitsstruktur, schneller als üblich gelingen. Ein individuell stimmiges und zufriedenstellendes Leben wird möglich.

Eine 4. Phase der Psychotherapieoptimierung beschäftigt sich daher nicht mehr mit der Begründung immer wieder neuer Ansätze unter dem Dach einer bestimmten Schule, sondern integriert systematisch schulenübergreifende Befunde in einen allgemein gültigen Prozessalgorithmus, der sich auf die individuelle Art der Affektregulation konzentriert. Der programmatische Titel "Psychotherapie 4.0" zielt neben einer patientenzentrierten Methodenintegration auf einen systematischen Gebrauch videobasierter (und damit transparenter) Zusammenarbeit mit Kolleg:innen und  vor allem auch den Patient:innen selbst. Digitale Angebote und KI-Anwendungen helfen darüber hinaus, Therapien und Therapeut:innentrainings kostenschonend zu optimieren.

Unter dem Dach der  Experiential Dynamic Therapies haben sich Kolleg:innen unterschiedlicher Therapieschulen zusammengeschlossen, um den Grundalgorithmus der Intensive Short-term Dynamic Therapy (IS-TDP), ab den 60er Jahren von Habib Davanloo entwickelt, für rasch, tiefgreifend und anhaltend wirksame Therapien zu nutzen.

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