ISTDP

"Affektloses Erinnern ist fast immer wirkungslos." (S. Freud, 1895)

Affektives Erleben steuert die Neubildung emotionaler Denk- und Verhaltensmuster (vgl. M. Solms; J. Panksepp)

 "Psychotherapie wirkt, wenn sie wirkt, darüber, dass sie das Gehirn verändert. Wenn sie das Gehirn nicht verändert, ist sie auch nicht wirksam." (K. Grawe, 2004)

Das Aufdecken und Durchleben von "wahren Gefühlen" (verkörperten Affekten) ist der Weg zum Unbewussten. (H. Davanloo)

Freud discovered the unconscious- Davanloo, how to work with it (D. Malan, 1980) 

Forschungsbefunde & Literatur

Mehr als 200 Wirksamkeitsstudien, 

mehr als 1000 Einzelfallanalysen

  • davon zeigen 113 randomisiert kontrollierte Studien Therapieerfolge, die über Symptomremission hinaus auch umfassende Veränderungen auf Ebene der Persönlichkeitsstruktur nachweisen (Multidimensionale Strukturveränderungen)
  • mehr als 1000 videografierte Moment-by-Moment- Einzelfallanalysen , eine ungewöhnlich hohe und beeindruckende Zahl für diese Art aufwändige psychotherapeutische Prozessforschung. 
  • Follow up Studien zeigen: Therapieerfolge können über 10 Jahre nach Therapieabschluss noch nachgewiesen werden, wie in einer aktuellen Studie von Kees Cornelissen belegt. 
  • 36 Studien weisen Erfolge bei Angststörungen nach, 
  • 20 Studien bei Depressionen
  • 11 Studien für Persönlichkeitsstörungen, auch für schwere Ausprägungen, die üblicherweise als "high resistant" (behandlungsresistent) gelten, 
  • 31 Studien zeigen einen hohen Kosten-Nutzen- Effekt,
  • 63 Studien konzentrieren sich auf psychosomatische Störungen  
  • mehrere Studien zur erfolgreichen Behandlung von Suchterkrankungen und auch psychotischen Störungen.

 

Abbass, A. (2026). Forschungsüberblick unter: http://reachingthroughresistance.com/publications/ 

Cornelissen, K. (2025). Long-term follow-up of Residential Intensive Short-Term Dynamic Psychotherapy in Personality Disorders (R-ISTDP). American Journal of Psychotherapy. 

Davanloo, H. (1995). The Key to the Unconscious: Intensive Brief Psychodynamic Therapy.

Fosha, D. (2000). The transforming power of affect: A model for accelerated change. New York, NY, US: Basic Books.


Frederickson, J. (2013). Co-Creating Change. Seven Leaves.

Gottwik, G., Orbes, I., (2020). Intensive psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo. Psychotherapie: Praxis. 2. Aufl. 2020.

Hickey, C. (2017). Understanding Davanloo's Intensive Short-Term Dynamic Psychotherapy: A Guide for Clinicians. Taylor & Francis.

Lane, R.D. (2020). The Affective Origin and Treatment of Recurrent Maladaptive Patterns. In: Neuroscience of Enduring Change. Edited by: Richard D. Lane and Lynn Nadel, Oxford University Press.

Liliengren, P. et al. (2025). The Efficacy of Experiential Dynamic Therapies: A 10-Year Systematic Review and Meta-Analysis Update. Clinical Psychology & Psychotherapy, Volume32, Issue3

Meissner, J. (2026, in press). Intensive Affekt- und Beziehungsfokussierte Therapie. Ein integrativer, multimedialer Praxisleitfaden.

Meissner, J. (2025). (Hrsg.) „Gefühle als Therapiekompass“. In: Verhaltenstherapie & psychosoziale Praxis, Band 1, 2025 (ISTDP,  ACT & EFT im Vergleich, in Zusammenarbeit mit Frank Jacobi)

Meissner, J. & Jacobi, F. (2024). Towards a Cross-School Treatment Heuristic: Part 1: Feelings as a Central Therapy Compass with their Affects (Nature), Emotions (Nurture) and Expressions (Narratives), International Journal of Psychotherapy,Winter 2024, Vol. 28, No. 3, pp. 41-54.

Schmitt, A. (2024). Davanloo´s psychotherapeutic Techniques. Fusion & Defusion. 

ten Have-de Labije, J. & Neborsky, R. (2012). Mastering Intensive Short-Term Dynamic Psychotherapy: Roadmap to the Unconscious.

Wissenschaftliche Fundierung

Der zentrale Stellenwert der Affekte für emotional tiefgreifende Lernerfahrungen wurde von den jeweiligen Gründervätern der wissenschaftlich anerkannten Therapieschulen unabhängig voneinander entdeckt: Affektsysteme sind die unmittelbare Sprache der Bedürfnisse und damit der Kern unseres Menschseins. Daher sind affektgeleitete Interventionen für einen anhaltenden Therapieerfolg unerlässlich. Es gehört jedoch zur therapeutischen Kunstfertigkeit, die individuellen Affektdynamiken bewusst zu machen und so mit ihnen zu arbeiten, dass sie für den Einzelnen nützlich werden.

Sigmund Freud als Begründer der Psychoanalyse hat sich für eine neurowissenschaftliche Fundierung der Psychotherapie eingesetzt und bereits vorausgesehen, dass es gilt "strangulierte Affekte" zu befreien, sonst blieben Therapien wirkungslos (1895).  

Ivan Pavlov, der als Vorreiter der Verhaltentherapie gilt, erkannte ebenfalls die Bedeutung angstbasierten Lernens und das Körper und Psyche zusammenwirken: "I am convinced that an important stage will have been reached when the physiological and the psychological, the objective and the subjective, are actually united." (1900)

William James, der Begründer der modernen Psychologie in den USA erkannte: "The sudden and explosive ways of love, guilt, fear, remorse or anger...seldom leave things as they found them" (1902)

Aber auch vor vor der Begründung der wissenschaftlichen Psychotherapie erkannten bekannte Entdecker die Bedeutung der Affekte für die menschliche Entwicklung:

Charles Darwin war der Erste, der Affekte als evolutionär entstandene, biologisch verankerte Ausdrucks- und Verhaltensprogramme verstand, die Mensch und Tier verbinden: "Certain complex actions are of direct or indirect service under certain states of the mind, and whenever the same state of mind is induced, however feebly, there is a tendency … for the same movements to be performed.” (1872)

Aristoteles verstand Affekte als natürliche Reaktionen, die durch Vernunft verstanden und kultiviert werden können und nicht einfach unterdrückt werden sollten. Er entwickelte die Dramentheorie, um Menschen emotional zu erreichen, damit sie "kathartisch" ihre Seele reinigen.

Moderne Psychotherapeuten und Forscher erinnern an dieses altbekannte Wissen und beforschen es mit modernen Methoden, Beispiele sind:

Mark Solms, Begründer der Neuropsychoanalyse, betont auf Basis neurowissenschafticher Studien: "Letztlich ist das Ziel jeder wirksamen Therapie, eine hilfreiche Affektregulation zu bewirken" (Mark Solms, pers. Bemerkung).

Habib Davanloo, der Entdecker des ISTDP-Algorithmus, erkannte, dass das verkörperte Affekterleben und Durcharbeiten dessen, was mit Affekten mobilisiert wird, der "Schlüssel zum Unbewussten" ist (1980, 2000). 

Eine seiner Schülerinnen, Diana Fosha, sagt "Anders als andere Modelle, die auf langsame Veränderungen über die Zeit setzen, arbeiten Affektzentrierte Veränderungsmodelle mit schnellen Transformationen. Beides kann anhaltende Veränderungen bewirken. Aber wenn die Affekte als Arbeitsmedium gewählt werden, können affektive Ladungen zu schnellen, anhaltende Veränderungen führen."  (2000).

Ohne Gefühle wäre menschliches Lernen unmöglich. Ohne affektbasierte korrigierende Erfahrungen ist keine Lösung von psychischen Problemen machbar, die sowohl kortikale, wie subkortikale, links- wie rechthemisphärische Netzwerke verändert und synchronisiert. Zentrale Wirkfaktoren sind, wenn sie sich entfalten, notwendigerweise von primären Affekten angetrieben:  eine Halt gebende, produktiv erlebte Therapieallianz, Hoffnung, Ressourcenaktivierung, emotionale Einsicht, wirkungsvolle Problembewältigungen und korrigierende Beziehungserfahrungen (bspw. Alexander, Frank, Wampold, Grawe). 

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