Gefühlskompass
Gefühle werden zunehmend als zentraler Kompass für wirksame und passgenaue Therapien verstanden, weil sie den Prozess individuenzentriert, von Moment zu Moment steuern helfen.
Gefühle werden in der Therapie allerdings oft wenig diffenziert verstanden und genutzt.
Es kommt erst zu tiefgreifenden und anhaltenden Veränderungen, wenn auf allen drei Gefühlsebenen zugleich therapeutisch Einfluss genommen wird: Auf Ebene der Affekte wird ein verkörpertes Erleben bewusst erlebbar (Furcht als Flucht-, Wut als Verteidigungs- oder Angriffsreflex, Lust-, Zuneigungsimpulse als Fürsorgetriebe etc.). Auf zweiter Ebene sind kognitiv-emotionale Schemata oft hemmende oder dysregulierende Lebensskripte ("ich werde entwertet, abgelehnt, wenn ich mich mit meinen rohen Affekten zeige" etc.). Daraus resulieren Vermeidungsmechanismen (Abwehren, wie "People pleasing", Zynismus etc.) als kurzfristige Affektregulationsstrategien, die langfristig zu Symptomen führen können, da sie Authentizität, Integrität und intime Bindungen sabotieren.
Es braucht gezielte korrigierende emotionale Erfahrungen in der konkreten Therapiesitzung und ein "working through" (mit Hilfe der Übertragungsbeziehung) bislang gemiedener, innerer Affekt- und Beziehungsdynamiken. Authentische und präsente Therapeut:Innen bieten mit präziser Vorgehensweise den Schlüssel zu einer dauerhaften Überwindung angstbasierter emotionaler Lebensskripte, die einst unter schwierigen Umständen erworben wurden und in der Gegenwart zu Symptomen führten.
